1 Artikel aus Oktober 2009
1 Artikel aus Oktober 2009
Unabhängig davon, ob man Cloud Computing bzw. dessen besonders aktuelle Ausprägung Private Cloud als zukünftige IT Architektur und wegweisendes IT Betriebsmodell oder aber als überstrapazierter Marketing Hype versteht - IT Organisationen suchen zunehmend nach neuen Wegen, um ihre größte und schwierigste Herausforderung zu bewältigen die darin besteht, durch massive IT Kosten Reduzierungen und durch einen Quantensprung in Flexibilität und Geschwindigkeit wettbewerbsfähig zu bleiben.
1. DEFINITIONEN
Cloud Computing wird auf höchst unterschiedliche Art und Weise und natürlich interessensabhängig definiert; eine übereinstimmende Taxonomie der Begriffe ist nicht in Sicht, was vor dem Hintergrund der Dynamik, die dieser neuen Architektur innewohnt, verständlich ist.
Die US-Bundesbehörde NIST (National Institute of Standards and Technology) hat mir ihren Definitionen des Cloud Computings, deren Charakteristika, Delivery Modelle, Delivery Architekturen und Verwendungsarten (Definitionen) nicht nur für mehr Klarheit gesorgt, sie entwickeln sich vielmehr zur de facto Standarddefinition, zumindest im Bereich der US-Bundesbehörden, die mit ihren riesigen angekündigten Investitionen in Cloud Architekturen einmal mehr eine Vorreiterrolle einnehmen.
Aber unabhängig von theoretische Diskussionen um eher semantisch interessante Fragen und Begrifflichkeiten wie Internal Clouds, Enterprise Clouds und vieler ähnlicher Begriffe, entscheidet letztendlich eine pragmatische Architektur-Roadmap und ein Cloud Maturity Modell über die entscheidenden Wettbewerbsvorteile, die Unternehmen aus und mit diesem neuen IT Paradigma erzielen können.
EMC/VMware sieht, wie im Übrigen auch Gartner (hier), Private Clouds als zukünftig vorherrschende IT Architektur und richten das komplette aktuelle und zukünftige Lösungsangebot, zusammen mit ihrem wichtigsten Kooperationspartner CISCO an diesem Architekturmodell aus.
Private Clouds bestehen, vereinfacht ausgedrückt, aus einem standardisierten, virtualisierten und automatisierten IT Environment (Desktop und Server), kompatibel mit den existierenden Anwendungen, das von der internen IT kontrolliert und betrieben wird und sowohl interne als auch externe IT Ressourcen nutzen kann (Cloud Federation).
Durch eine Private Cloud IT Architektur sind Unternehmen in der Lage, die Vorteile des Cloud Computings (z.B. Ressourcenauslastung, Provisionierung, Automatisierung, Flexibilität) zu nutzen ohne deren heute noch ohne Zweifel existierenden Risiken (z.B. Security, Compliance) tragen zu müssen. Andererseits haben Unternehmen die Wahlfreiheit zu entscheiden, welcher Teil der zu erbringenden Services von externen Cloud Providern bereitgestellt werden kann.
2. MARKTENTWICKLUNGEN
Obwohl deutsche Firmen Cloud Computing angeblich noch nebulös finden (IDC Umfrage 27.5.2009) und Skeptiker auf die weitgehend ungelösten Probleme im Bereich der Security, Performance, Verfügbarkeit, Governance und Compliance hinweisen nebst den natürlich noch gänzlich fehlenden Standards, so ist Cloud Computing doch ein unumkehrbarer Schritt zur Industrialisierung, Kommodisierung und Serviceorientierung der IT.
Und obgleich die massenhafte Implementierung und Nutzung in Form der anspruchsvollsten und kompliziertesten Variante Hybrid Cloud Computing, also die Integration mehrerer Clouds in eine IT Service Delivery Architektur, noch gut und gerne eine Dekade entfernt liegt, so entwickelt sich das Cloud Computing Modell doch rasend schnell von einer futuristischen Technologie zur bevorzugten IT Plattform, deren weitere Entwicklung durch ihren großen geschäftlichen und wirtschaftlichen Nutzen, durch unterschiedliche Marktkräfte und deren enormen Investitionen und durch eine Vielzahl von innovativen Entwicklungen getrieben wird.
Ein übergeordneter Gesichtspunkt ist die Unzufriedenheit der Unternehmen mit der heutigen IT. Einerseits müssen ca. 75 Prozent der IT Investitionen für den laufenden Unterhalt der bestehenden IT Landschaften aufgewendet werden, sodass nur der geringe Rest von ca. 25 Prozent für die dringend erforderlichen IT Innovationen zur Verfügung stehen. Andererseits müssen Unternehmen ihre IT Kapazitäten notgedrungen auf die Spitzenlast ausrichten, was in der Folge dazu führt, dass Schätzungen zufolge im Distributed Computing bis zu 85 Prozenz der Kapazitäten nicht ausgelastet sind und einen enormen Kostenblock darstellen.
Cloud Computing wird von verschiedenen Marktkräften im Wechselspiel entwickelt und vorangetrieben. IT Service Provider erkennen zunehmend im Public Cloud Delivery Modell eine Chance, durch massive Standardisierung, Automatisierung und Virtualisierung enorme Skaleneffekte zu realisieren um für kleinere- und mittlere Unternehmen zur bevorzugten Computing Plattform zu avancieren. IT Hersteller wiederum entwickeln ihre traditionellen Lösungen für die Zielgruppe der Public Cloud Provider, andererseits formen sie vermehrt ihre Lösungen in Service Angebote um, damit sie vom Wachstum des Cloud Service Marktes profitieren. Es entsteht in einem bemerkenswerten Wechselspiel ein hochinnovatives Umfeld, das die Entwicklung des Cloud Computings stark vorantreiben wird.
Die Ära der hoch verfügbaren Highend-Server neigt sich langsam dem Ende entgegen und Standard x86 "Commodity"-Server bilden das kostengünstige Backbone der zukünftigen Cloud Computing Architekturen. Diese Low-Cost-Server bieten eine ständig größere Prozessorleistung bei deutlich reduzierter Leistungsaufnahme und das Gesetz der Massenproduktion wird die Kluft zu RISC-basierenden Prozessoren ständig vergrößern. Damit verlieren auch die darauf basierenden UNIX Betriebssysteme an Relevanz. Die Zukunft gehört Hypervisor Systemen wie z.B. vSphere, basierend auf Windows oder SUSE Linux Systemumgebungen
3. WIRKUNGEN
Cloud Computing führt zur Entstehung von Mega Data Centern von enormer Größe und entsprechenden Skaleneffekten. Möglicherweise findet die Marktmacht der heutigen Handelskonzerne in Zukunft ihre IT Entsprechung in diesen Data Centern.
Kleine und mittlere Unternehmen werden zunehmend SaaS Lösungen dieser Public Cloud Anbieter (IT Service Provider, IT Hersteller, IT Unternehmen von Großkonzernen) nutzen um die eigene IT zu begrenzen, zu reduzieren und am Ende komplett zu ersetzen.
Große Unternehmen werden ihre IT in einem Stufenplan von Internal Clouds (voll-virtualisierte Rechenzentren) zu Private Clouds weiterentwickeln und zudem in der Lage sein, durch eigene (Public) Cloud Services neue externe Zielgruppen zu erschließen. Allerdings könnte sich durch das sich ständig vergrößernde Public Cloud Angebot eine Entwicklung des Frühstadiums der PC Ära wiederholen, in der IT Organisationen vorübergehend die Kontrolle über die dezentrale IT verloren durch Endkunden, die ihre eigene IT Anwendungen realisiert haben.
Der IT Markt insgesamt wird sich zu dem am weitesten in der Zukunft liegenden Hybrid Cloud oder Multi Cloud Architekturmodell entwickeln, da es durch die Nutzung unterschiedlicher interner und externer IT Services den höchsten denkbaren Nutzen bieten wird.
4. (EMC) WEGE ZUR ZIELARCHITEKTUR
Der Wandel zu Private Cloud Architekturen ist eine langfristige Zielsetzung und kontinuierliche Entwicklung. Diese Transformation sollte bereits heute auf Basis einer Roadmap begonnen werden, deren Umsetzung mit jedem zusätzlichen erreichten Meilenstein eine Erhöhung der Effizienz und der Flexibilität verursacht, begleitet von einer gesteigerten Kundenzufriedenheit.
EMC selbst arbeitet an einer 100 prozentigen, VMware-basierten Virtualisierung seiner internen IT und hat bis dato eine Standard Konsolidierungsratio von 40:1 erreicht mit einer Kostenersparnis von 55 Mio. USD durch Server- und Speicherkonsolidierung bei einer laufenden Energieeinsparung in Höhe von 64 %. Das Endziel ist eine vollautomatisierte Private Cloud Architektur mit weiteren geplanten Kostenersparnissen im Bereich der Hochverfügbarkeit von 9o %, der Desaster Recovery im Bereich von 70 % und der Infrastruktur Management Kosten im Bereich von 80 % bei einer Verkürzung der Provisionierungszeit um 95 %.
Basistechnologie einer Private Cloud Architektur bildet die Virtualisierung als logische Abstraktion aller physischen IT Ressourcen. Sie erlaubt deren Nutzung als dynamischem Pool, sodass dieser on-Demand allokiert werden kann. Wurden bislang in den Unternehmen lediglich Tier-3 und Tier-2 Anwendungen virtualisiert (Light Virtualization) und damit Piloterfahrungen gesammelt, so beginnen die Unternehmen nun verstärkt damit, ihre kritischen Tier-1 Anwendungen zu virtualisieren (Production Virtualization), wobei der Umsetzung einer Virtual First Policy eine Grundvoraussetzung bildet, um den erwarteten Nutzen in der Realität auch zu erzielen.
Die Erhöhung der Virtualisierungsrate führt notwendigerweise zu einer erhöhten Anforderung an die zugrunde liegende Speicherinfrastruktur, um die sich ständig erhöhende Anzahl von WMware (und anderen) Servern zu unterstützen. Erforderlich sind eine Scale-Out Speicherarchitektur, also eine lineare Erhöhung der Speicherleistung, die vollkommene Umsetzung des Poolingkonzeptes, das den Virtualisierungstechnologien zugrunde liegt und die vollständige Unterstützung der Automation durch Policies. Über V-Max als das bislang weltweit einzige Speichersystem, das für derartige virtualisierte Data Center entwickelt wurde habe ich in einem vorangegangenen Beitrag berichtet.
Backup bildet einen nicht zu unterschätzenden Engpass. Systeme aus der Zeit der physischen Server-Ära erfordern naturgemäß durch die begrenzte Bandbreite der Server eine komplette Neukonzeption und die signifikante Reduzierung des I/O Datenstromes ist der vermutlich einzige Weg um die Virtualisierungsratio weiter erhöhen zu können. Hier bietet EMC mit Avamar die marktführende Quell-Daten-Deduplizierungslösung an mit bis dato nahezu unglaublich erscheinenden Datenreduzierungen ganz besonders in VMware Umgebungen und natürlich nutzt VMware Avamar innerhalb ihrer eigenen IT als zentrale Backup Technologie.
Eine bedeutende Phase auf dem Weg zu Private Cloud Architekturen ist die völlige Neukonzeption der Business Continuity (BC) Architektur. Virtualisierung ermöglicht vollkommen neue Lösungen der BC, Komplexitätsreduzierung, Risikoreduzierung, Kostenreduzierung und ein verbessertes Management. EMC bietet hierfür das wohl umfangreichste und kompletteste Portfolio an unterschiedlichen Lösungen zur Reduzierung der Auswirkungen von geplanten und ungeplanten Downtimes und den unterschiedlichsten Desaster Szenarien an. Ein solches innovatives Beispiel (unter vielen) einer BC Lösung im Zusammenspiel mit CISCO Technologien wird in einem aktuellen CISCO Blog beschrieben. Nur am Rande sei bemerkt, dass eine verbesserte oder kostengünstigere BC Anreiz und Motivation bilden kann, um die Application Owner für die notwendige Virtual First Policy zu gewinnen.
Und schließlich erfordert die Transformation der IT Architektur eine Weiterentwicklung der IT Management Prozesse und deren Unterstützung durch neue IT Managementtools für die virtualisierte und schließlich hoch-automatisierte neue Private Cloud Umgebung. Zeitraubende Provisionierungsprozesse müssen mit Hilfe eines Self-Service Portals und eines Business Service Kataloges (mein Blogbeitrag hier) von Wochen auf Tage oder auch nur Stunden reduziert werden. Neue V2P Managementtools (EMC IONIX Produktfamilie), die eine logische Sicht auf die physikalische Welt ermöglichen (automatische Root-Cause-Analysen, Dependency-Mappings als Beispiele), müssen in die etablierte Management-Tool-Architektur integriert werden. Allerdings erfordert ein hoher Automatisierungsgrad auch eine vorhergehende Standardisierung der Hardwarebasis bis hin zu Single-Vendor-Strategien (mein Blogbeitrag hier).
Die Reise zu Private Clouds erfordern von den Mitarbeitern der IT Organisationen völlig neue Kenntnisse, denn mit der stufenweise Erhöhung der Virtualisierungsrate treten neue Herausforderungen zu Tage. Empfehlenswert ist deshalb die frühzeitige Einbindung der EMC Consultingorganisation, die reichhaltige Erfahrungen im Rahmen von aggressiven Virtualisierungsprojekten in Kundenorganisationen und frühen Private Cloud Projekten sammeln konnte und daher ein spezifisches Umsetzungsknow-how bieten kann.
5. FAZIT
Die Zukunftsarchitektur der IT bildet zweifellos das Cloud Computing Modell. Diese Transformation wird den IT Markt für alle Marktteilnehmer, ob Endbenutzer, IT Organisationen oder IT Anbieter, vollständig auf den Kopf stellen.
In absehbarer Zeit werden Milliarden von Menschen verteilt über den gesamten Erdball "wireless" im Netz verbunden sein und Cloud Architekturen werden die einzig denkbare Möglichkeit darstellen, diese Last effizient abzuwickeln.
Gleichzeitig bietet sie den Unternehmen durch "brutalst-mögliche" (um die Politsprache zu benutzen) Skaleneffekte enorme Reduzierungen ihrer IT Kosten, aber auch eine immense Erhöhung ihrer Agilität. Beides zusammen, Effizienzgewinne und Agilität sind die treibenden Kräfte für das neue IT Delivery Modell.
Die Marktführer VMware, CISCO und EMC werden durch ihre gemeinsame Partnerschaft und gebündelten Entwicklungskräfte (VCE Initiative) die Transformation der heutigen IT zu Private Cloud Architekturen unterstützen und ermöglichen.
Und wer auch nur die geringste Zweifel an der Transformation zum neuen Cloud Computing Paradigma hat, der gönne sich die hörenswerte ca. 30 minütige Ankündigung von Vivek Kundra vom 16.9.2009 zur amerikanischen Federal Cloud Strategie (hier).
6. AUS MEINEM IT-ZITATENSCHATZ
kurios …
"Ich glaube, es gibt einen weltweiten Bedarf an vielleicht fünf Computern" Thomas Watson, IBM Chef 1949 – 1956
"Es gibt keinen Grund, warum irgend jemand in der Zukunft einen Computer bei sich zu Hause haben sollte" Ken Olson, Gründer von DEC
"It´s complete gibberish ….. It´s insane …. When is this idiocy going to stop?" Larry Ellison, CEO Oracle; 2008 auf die Frage: What is the Cloud?
… aber auch beeindruckend
"If computers of the kind I have advocated become the computers oft the future, then computing may someday be organized as a public utitlity just as the telephone system is a public utility … The computer utility could become the basis for a new and important industry." Prof. John McCarthy, MIT Centennial in 1961.
"Auf einfache Wege schickt man nur die Schwachen"
Hermann Hesse, aus: Das Glasperlenspiel
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